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06.12.2011, 09:33 Uhr
Tentstation goes Neukölln
Ab 2012 kommt der Touristenmagnet Tentstation, ein innerstädtischer Zeltplatz nach Neukölln. Bereits am 08. September 2011 informierten die Betreiber Anwohner und Interessierte über die geplante Nutzung und versuchten, berechtigte Bedenken zu zerstreuen. Im Laufe des Abends kam es zu lautstarken Wortgefechten zwischen Unternehmern und Eigentümer auf der einen und Hundebesitzern, Anwohnern und erlebnisorientierten Jugendlichen auf der anderen Seite. Die Fraktionsvorsitzende der CDU in der BVV Neukölln, Christina Schwarzer war vor Ort, um sich über die Planungen zu informieren.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde die Motivation des Eigentümers der Fläche (Friedhofsverband Berlin Stadtmitte), diese zu verkaufen ausführlich erläutert: In Folge des Sterberückganges in Berlin und alternativer Bestattungsmethoden werden schlicht weniger Grabstätten benötigt. Da bereits Ende der siebziger Jahre eine Schließung des ehemaligen Friedhofes beschlossen wurde, sind auch die letzten Ruhezeiten (in Berlin 20 Jahre) mittlerweile abgelaufen, sodass einer Nachnutzung nichts im Wege steht. Vor allem aber die hohen Kosten für die Instandhaltung des Geländes machen ein schlüssiges Nutzungskonzept notwendig.

Zelten mitten in Berlin – die Idee ist so einfach wie beliebt. Mehrere tausend Gäste aus über vierzig verschiedenen Ländern schlagen jeden Sommer bei Tentstation ihre Zelte auf. Durch die zentrale Lage und die unkonventionelle Atmosphäre unterscheidet sich Tentstation stark von anderen Campingplätzen. Wir freuen uns, dass wir sehr unterschiedliche Gäste anziehen: Gruppenreisende, Familien, Singles und Pärchen, wir sind ein Ort für Entdecker und Abenteurer, aber auch für ganz „normale“ Camper. Die Altersspanne unserer Gäste reicht von sechs Wochen bis zu siebzig Jahren. Tentstation ist ein internationaler Ort und zugleich ein Treffpunkt für Berliner.

Soweit die Selbstbeschreibung der Betreiber.

Bisher war der beliebte Campingplatz in der Nähe des Hauptbahnhofes zu finden, muss nun aber umziehen, da ein Wellnessbad auf dem Gelände entstehen soll. Bis zum Jahr 2017 soll nun ein Teil des ehemaligen Friedhofes St. Thomas als neuer Standort genutzt werden. Anschließend ist die Fläche bereits als Ausgleichsfläche für den Bau der A 100 vorgesehen.

Berechtigte Bedenken über Lärmbelästigung durch Gäste und den Umgang mit der Besonderheit des Ortes als ehemaligen Friedhof sowie der Erhaltung der Vegetation konnten durch die Betreiber rasch ausgeräumt werden. So sind die Zeltplätze in größtmöglichem Abstand zu Wohnhäusern geplant, es wird eine Pufferzone errichtet und weitreichende Abend- und Nachtruheregelungen sind bereits heute beschlossen und vertraglich verankert. Zudem sind die Gäste eben nicht dafür bekannt, stundenlang auf dem Platz zu feiern. Man muss in diesem Zusammenhang auch die einzigartige Situation eines Zeltplatzes mitten in der Stadt bedenken. Soweit Gäste zum Feiern herkommen, werden sie das in der Innenstadt in den angesagten Clubs und Bars tun – warum sollten sie auf dem Campingplatz bleiben? Insofern ist, auch aus Sicht der Betreiber, der Platz eher als Hostel zu verstehen. Ein Ort der Zusammenkunft und Übernachtungsmöglichkeit – keine Partymeile. Großveranstaltungen mit Konzerten und ähnlichem wird es nicht geben.

Dem Schutz der gut entwickelten und teilweise seltenen Tier- und Pflanzenwelt wird schon durch das Nutzungskonzept Rechnung getragen. Die Natürlichkeit der Anlage ist dabei das Interesse der Betreiber. Daher wird als selbstverständlich angesehen, dass keine Bäume gefällt und der Boden nicht versiegelt wird. Der ursprüngliche Charakter der Fläche wird auch durch regelmäßige Pflege, die momentan leider nicht immer gewährleistet ist, erhalten.

Ein Drittel der Fläche des ehemaligen Friedhofes bleibt ohnehin frei und ist noch nicht für eine Zwischennutzung vorgesehen. Hier bekundete der Eigentümer mehrmals sein Interesse an einer einvernehmlichen Lösung mit kompromissbereiten Anwohnern, sofern ein sinnvolles Konzept vorläge. Dieses, bereits im Vorfeld unterbreitete, Gesprächsangebot wurde leider bisher nicht aufgenommen.

Am Ende konnte nur eine lautstarke Gruppe von Hundebesitzern und offenbar erlebnisorientierten Jugendlichen die Veranstaltung stören. Deren Hauptkritikpunkt war es, dass die bisher zugängliche Fläche verpachtet werden soll. Nun wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass es sich um Privatgelände handelt. Dieses Argument ließen die Gegner allerdings nicht gelten. Sie hätten trotzdem ein Recht dieses Gelände zu nutzen, weil sie da schon immer mit ihren Hunden ihre Zeit verbracht hätten. Dass auf der Grundlage dieses Verständnisses von Eigentum keine Diskussion zustande kam, ist wohl nachvollziehbar. Es sei dennoch gesagt, dass es durchaus Hundebesitzer gab, die den angebotenen Kompromiss ernst nahmen. Leider fühlten sich diese durch das lautstarke und aggressive Auftreten der kleinen Minderheit eingeschüchtert und meldeten sich daher nicht zu Wort.

Es sei nicht vergessen, dass auch die Linkspartei eine Vertreterin schickte. Frau Marlis Fuhrmann meldete sich auch prompt zu Wort. Das Projekt sei ja ganz interessant, sie fände es aber besser, wenn man das woanders machen würde. Sie schlug das Tempelhofer Feld vor, allerdings auf Tempelhofer Seite und möglichst weit weg von Neukölln. Sollen sich doch andere mit den vermeintlichen Problemen rumärgern. Veränderung ist sowie nicht gewünscht. Konstruktive Vorschläge waren von ihr nicht zu erkennen, bei den Fundamentalgegnern kam sie dafür umso besser an.

Insgesamt ist das Konzept für die Zwischennutzung bis 2017 schlüssig und verspricht eine Attraktion für Neukölln zu werden. Dieses innovative und einzigartige Projekt hat das Potential ein anderes Licht auf unseren Bezirk zu werfen, als es von prominenter Stelle stets düster verkündet wird.

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